Schulen sind zentrale Sozialisationsinstanzen. In erster Linie erzeugen sie genau jene Einstellungen und Verhaltensweisen, die im neoliberal organisierten Kapitalismus gebraucht werden: Orientierung an materieller Belohnung, „Employability“ als Nützlichkeit für wachsende Renditen sowie jene Art von Flexibilität, die sich für sämtliche denkbaren Zwecke einspannen lässt. Viele der schulischen Mechanismen sind bei Licht besehen exakt auf eine solche Orientierung hin ausgelegt. „Bildung“ im älteren Sinne wird immer seltener.
Doch Schulen stehen auch im Mittelpunkt gesellschaftlicher Auseinandersetzungen. Sind Kinder „Humankapital“ oder sollen sie lernen, demokratisch eine unvorhersagbare Zukunft zu bewältigen? Sollen Schüler auf Konkurrenz, auf Sieg und auf Niederlage eingestimmt werden oder geht es um Verständigung und Solidarität? Insbesondere stellt sich die Frage nach der integrativen Rolle der Schulen. In einer Gesellschaft, die immer mehr von Segregation und Ungleichheit geprägt ist, könnte den Schulen eine zentrale Integrationsaufgabe zufallen. Gerade die so genannte Flüchtlingskrise stellt genau diese Frage mit voller Wucht.
Es referiert Hans-Peter Waldrich
02.02.2016 // 18:30 Uhr // KatHo Aachen, Raum 48 // Eintritt frei
Rainer Trampert analysiert eine neue Epoche. Warum stagniert der alte Kapitalismus, während die halbe Menschheit sich auf dem Weg der größten Industrialisierung aller Zeiten befindet? Warum ist Europa der Sanierungsfall des Weltkapitalismus, dem die große Kapitalver- nichtung noch bevorsteht? Imperialismus ist kein Privileg der USA und der europäischen Staaten mehr. Worauf steuern die Verschiebung der Produktion nach Asien, das Tauziehen um die Ukraine, die Stellvertreterkriege im Nahen Osten und in Afrika und andere geostrategische Brennpunkte zu? Anders als im 19. Jahrhundert driften Kapitalbewegung und Staatsidee heute auseinander. Das expansive Kapital sprengt die Fesseln der europäischen Nationen, aber
Im Zuge der Krise werden wieder vermehrt kritische Stimmen gegenüber dem herrschenden Wirtschaftsmodell laut. Doch die Gegenvorschläge reichen nur von einer Brutalisierung des Neoliberalismus mit sozialen Kahlschlägen, wie sie Griechenland von der Troika aufgezwungen wird, bis zum erneuten keynesianischen Versuch mit staatlich befeuerten Konsum ala Abwrackprämie den Wirtschaftsstandort wieder fit zu machen. Grundlegende Fragen, wie die Form des Wirtschaftens, und damit die Gesellschaft, in der wir leben, gestaltet werden könnte, werden jedoch üblicherweise nicht geklärt. Mit dem Verweis auf das Scheitern realsozialistischer Versuche, den Kapitalismus zu überwinden, scheinen sie oft erledigt.