Ist die Schule ein Zuliefererbetrieb des Kapitalismus? – Bildung zwischen Anpassung und Aufbruch

12250141_455760357942104_2933596876215462788_nSchulen sind zentrale Sozialisationsinstanzen. In erster Linie erzeugen sie genau jene Einstellungen und Verhaltensweisen, die im neoliberal organisierten Kapitalismus gebraucht werden: Orientierung an materieller Belohnung, „Employability“ als Nützlichkeit für wachsende Renditen sowie jene Art von Flexibilität, die sich für sämtliche denkbaren Zwecke einspannen lässt. Viele der schulischen Mechanismen sind bei Licht besehen exakt auf eine solche Orientierung hin ausgelegt. „Bildung“ im älteren Sinne wird immer seltener.

Doch Schulen stehen auch im Mittelpunkt gesellschaftlicher Auseinandersetzungen. Sind Kinder „Humankapital“ oder sollen sie lernen, demokratisch eine unvorhersagbare Zukunft zu bewältigen? Sollen Schüler auf Konkurrenz, auf Sieg und auf Niederlage eingestimmt werden oder geht es um Verständigung und Solidarität? Insbesondere stellt sich die Frage nach der integrativen Rolle der Schulen. In einer Gesellschaft, die immer mehr von Segregation und Ungleichheit geprägt ist, könnte den Schulen eine zentrale Integrationsaufgabe zufallen. Gerade die so genannte Flüchtlingskrise stellt genau diese Frage mit voller Wucht.

Es referiert Hans-Peter Waldrich

02.02.2016 // 18:30 Uhr // KatHo Aachen, Raum 48 // Eintritt frei

Buchvorstellung: „Europa zwischen Weltmacht und Zerfall“

cropped-systemneu.jpgRainer Trampert analysiert eine neue Epoche. Warum stagniert der alte Kapitalismus, während die halbe Menschheit sich auf dem Weg der größten Industrialisierung aller Zeiten befindet? Warum ist Europa der Sanierungsfall des Weltkapitalismus, dem die große Kapitalver- nichtung noch bevorsteht? Imperialismus ist kein Privileg der USA und der europäischen Staaten mehr. Worauf steuern die Verschiebung der Produktion nach Asien, das Tauziehen um die Ukraine, die Stellvertreterkriege im Nahen Osten und in Afrika und andere geostrategische Brennpunkte zu? Anders als im 19. Jahrhundert driften Kapitalbewegung und Staatsidee heute auseinander. Das expansive Kapital sprengt die Fesseln der europäischen Nationen, aber das Bewusstsein klebt an der Nation oder fällt in die Kleinstaaterei mit eigener Münzprägung, in den Rechtspopulismus und Faschismus zurück. Europa schottet sich nicht nur nach außen gegen Flüchtlinge ab, sondern baut auch seine nationalen Grenzen wieder aus.
Trampert erklärt, warum Deutschland nicht erst durch den Euro zum Hegemon der EU aufgestiegen ist, dem auf der Höhe seiner Macht das Objekt derselben abhanden zu kommen droht. Er analysiert die deutsche Ideologie, etwa die Propaganda von der überlegenen europäischen Kultur gegenüber den USA, vom «gesunden nordischen Cha- rakter» versus der «griechischen Krankheit», ein Begriff, der Kulturen beseitigen soll, die dem Kapitalismus noch Leben abtrotzen. Er räumt mit der Mär vom «guten Nachkriegskeynesianismus» auf, kritisiert den Linkskeynesianismus und behandelt das Thema «Krise und Verschwörungsphantasien». Er untersucht, ob die Motorisierung der Welt und die grüne Revolution neue Impulse bringen und stellt die Systemfrage. «Das linke Europa gibt es genauso wenig wie das linke Vaterland.» Die Marktwirtschaft ist historisch überholt, aber wo ist das Bewusstsein für eine neue Gesellschaft? Abschließende Gedanken über Europa, die Verdinglichung des Menschen, die Linke und die „griechische Krankheit“ als Etappe der Befreiung.
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Was ist „Antikapitalismus von rechts“?

cropped-systemneu.jpgOb »Global dient dem Kapital – Sozial geht nur national« oder
»Kapitalismus – Feind der Völker«, Neonazis gehen seit Jahren verstärkt mit »antikapitalistischen« Parolen auf Stimmenfang. Dabei kopieren NPD und »Freie Kameradschaften« in ihrer Agitation linke Slogans und formulieren eine >völkische< Kritik der Globalisierung. Erweitert wird dieses Spektrum durch die »Autonomen Nationalisten«, die sich als irritierende Imitation der rebellischen linken Jugendkultur geben. Gerade bei ihnen spielen »antikapitalistische« Parolen eine wichtige Rolle. Unterwürfige Mitläufer, die nach einem Führer schreien und gezielt gegen demokratische Kräfte vorgehen, inszenieren sich als Avantgarde einer nationalen Revolte gegen den »vaterlandlosen« High-Tech-Kapitalismus und recyceln die Propaganda des historischen Faschismus.

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Sozialchauvinismus – Das Bündnis von Boulevard und Bürger

cropped-systemneu.jpgDie Thesen des ehemaligen Berliner Senators und Deutsche Bank-Manager Thilo Sarrazin wurden in der Regel auch von seinen Kritiker_innen auf die Hetze gegen Migrant_innen reduziert. Dabei geriet aus dem Blick, dass Sarrazin mit seinen Nützlichkeitsrassismus zum Lautsprecher derer wurde, die gegen alle hetzen, die angeblich dem Standort Deutschland schaden. Das können Hartz IV-Empfänger_innen genau so sein wie „Pleitegriechen“ oder Migrant_innen.
Der Journalist Peter Nowak wird sich mit der Ideologie des in allen Teilen der Gesellschaft anzutreffenden Sozialchauvinismus befassen und dabei auf eine vor einigen Jahren erneut aufgelegte Schrift des Hannoveraner Sozialpsychologen Peter Brückner zurückgreifen, die den Titel „Sozialpsychologie des Kapitalismus“ (http://www.antipsychiatrieverlag.de/versand/titel/brueckner.htm) trägt. Obwohl das Buch 1981 verfasst wurde und seinerseits auf viel Resonanz stößt, sind die dort vertretenen Thesen für eine Erklärung des Sozialchauvinismus erhellend.
Während Brückner in Protestbewegungen einen Schritt zur
Selbstermächtigung der in Unterdrückungs- und Ausbeutungsverhältnissen lebenden Menschen sah und deshalb große Hoffnungen in die durch die 68er-Bewegung ausgelöste Neue Linke setzte, müssen wir fast 40 Jahre später die weitgehende Verstaatlichung dieser Bewegungen konstatieren.
Viele einst emanzipatorische Impulse waren Türöffner für eine
weitgehende Individualisierung und Flexibilisierung der Arbeits- und Lebensverhältnisse, die heute Protestmöglichkeiten scheinbar erschweren.
Am Beispiel der Zahltag-Aktionen von Erwerbslosen, Protesten von Mietrebell_innen und Arbeitskämpfen auch in Kleinstbetrieben soll deutlich gemacht werden, dass es auch in diesen Bereichen Möglichkeiten zur Gegenwehr als ersten Schritt zur Selbstermächtigung sein können. Das sind im Sinne von Brückner die Voraussetzungen für einen Kampf gegen den Sozialchauvinismus. Für eine soziale Bewegung gegen die kapitalistischen Zumutungen stellt sich die Frage, ob nicht solche Prozesse der Selbstermächtigung langfristig sinnvoller sind als manche Großdemonstrationen und Massenvents.
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Was ist eigentlich Kapitalismus? Eine Einführung in die kategoriale Kapitalismuskritik.

cropped-systemneu.jpg                                                                                   Im Zuge der Krise werden wieder vermehrt kritische Stimmen gegenüber dem herrschenden Wirtschaftsmodell laut. Doch die Gegenvorschläge reichen nur von einer Brutalisierung des Neoliberalismus mit sozialen Kahlschlägen, wie sie Griechenland von der Troika aufgezwungen wird, bis zum erneuten keynesianischen Versuch mit staatlich befeuerten Konsum ala Abwrackprämie den Wirtschaftsstandort wieder fit zu machen. Grundlegende Fragen, wie die Form des Wirtschaftens, und damit die Gesellschaft, in der wir leben, gestaltet werden könnte, werden jedoch üblicherweise nicht geklärt. Mit dem Verweis auf das Scheitern realsozialistischer Versuche, den Kapitalismus zu überwinden, scheinen sie oft erledigt. „Was ist eigentlich Kapitalismus? Eine Einführung in die kategoriale Kapitalismuskritik.“ weiterlesen